Ranger Detlef Fährmann
© Steffen Herre
Zwischen Löwenzahn und weitem Himmel
Ausflug ins Odertal
Wer die L286 Richtung Criewen abbiegt, merkt schnell: Es verändert die Stimmung. Man fährt langsamer, nicht nur, weil Tempo 30 gilt, sondern weil rechts und links Blüten leuchten, die sich wie ein heller Tunnel öffnen. Dazwischen Löwenzahn, als hätte jemand absichtlich gelbe Punkte in die Landschaft gesetzt. Und irgendwo dahinter entsteht dieses Gefühl, dass gleich etwas anderes kommt. Ruhiger. Weiter. Klarer.
Der Nationalpark Unteres Odertal zeigt sich genau so: Erst Weite, dann Stille, dann diese besondere Offenheit, die man nicht erklären muss. Die Oder fließt langsam durch die Landschaft, fast unbeirrt. Kein Druck, kein Lärm, nur Bewegung im eigenen Tempo, ab und zu ein Schiff, das die Schwäne kurz aufscheucht.
Vögel sind überall. Man sieht sie nicht immer sofort, aber man hört sie. Und wenn man genauer hinschaut, merkt man schnell: Sie sind beschäftigt. Reviere abstecken, Plätze sichern, Präsenz zeigen. Nicht aggressiv, eher selbstverständlich und bestimmt. Und genau deshalb bleibt man hier besser Beobachter, Fernglas in der Hand.
Parken kann man direkt am Nationalparkhaus Criewen. Leicht zu erkennen an Backstein und Holzverkleidung. In der Sonne wartet Ranger Detlef Fährmann vom Naturschutzfonds Brandenburg. Hinter ihm thront oben ein Storchennest. Typisches Geklapper und dann schon sein freundliches „Guten Tag“, das sofort willkommen heißt. Wir erzählen ein wenig und er kann so viele spannende Infos zur Region geben. Das macht Laune! In seiner Hand ein Heft mit schlichtem Titel: „Herzlich willkommen“. Dazu eine Mappe mit Infoblättern zum Mitnehmen, Blättern und Sammeln.
Die Ausstellung im Haus selbst ist angenehm greifbar. Zehn Themen, sauber aufgebaut, nicht überladen. Eiszeit, Fische im Nationalpark, Artenvielfalt, Lebensräume, Zusammenhänge. Dinge, die plötzlich nah wirken, weil sie draußen direkt weitergehen. Man geht von Station zu Station und merkt irgendwann: Man schaut nicht nur, man versteht. Auch dank der Ranger, die es ruhig und anschaulich einordnen.
Und dann wieder raus. Der Weg liegt offen vor einem. Gut asphaltiert, ruhig geführt, erst über die Brücke, dann entlang des Deichs. Von Criewen über Stützkow bis zum Aussichtsturm sind es etwa 14 Kilometer, die sich nicht wie Strecke anfühlen. Eher wie Raum. Immer wieder der Blick ins Odertal, manchmal weit, manchmal überraschend nah.
Wer hier unterwegs ist, merkt schnell: Ein Fernglas lohnt sich. Nicht weil man etwas verpassen könnte, sondern weil sich Dinge zeigen, die sonst zu weit weg bleiben. Ein Flügelschlag, eine Bewegung im Schilf, ein kurzer Moment, der sonst einfach vorbeigeht.
Und am Ende gehört er dazu: der kleine Halt an der Ecke im Ort. Ein Eis. Kalte Süße nach viel Weite. Unspektakulär und genau deshalb perfekt. Ein ruhiger Abschluss für eine entschleunigte Naturbegegnung.
Textquelle: Steffen Herre
Datum: 23.04.2026
© Steffen Herre
Aussichtsturm Stützkow
© Steffen Herre
Datei: HERZLICH WILLKOMMEN - die Mappe
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur
