© Steffen Herre
Ein Jubiläum,
das auch nachdenklich macht!
100 Jahre Feuerwehr Hohenstein
Hohenstein feiert. Und das aus gutem Grund. Seit 100 Jahren gibt es hier eine Freiwillige Feuerwehr. Generationen von Menschen haben ihre Freizeit geopfert, um anderen zu helfen. Sie haben Brände gelöscht, Menschen aus Notlagen befreit und waren zur Stelle, wenn schnelle Hilfe gebraucht wurde. Am Samstag, dem 10. Oktober, wurde dieses besondere Jubiläum mit einem großen Festumzug durch den Strausberger Ortsteil gefeiert. Feuerwehrfahrzeuge aus der Region, darunter auch historische Technik, machten die Geschichte der Feuerwehren sichtbar. Kameraden verschiedener Wehren kamen zusammen, Menschen standen am Straßenrand, es wurde fotografiert, gelacht und gratuliert und ehrfurchtsvoll bestaunt.
Auf dem Gelände der Landfarm Hohenstein stand anschließend ein buntes Programm mit Festansprachen, einer Chronikausstellung und Vorführungen auf dem Plan. Auch die Kinder- und Jugendfeuerwehr „Florian“ war Teil des Jubiläumsprogramms. Und die Ehrungen... sie nahmen kein Ende und der Applaus zeigte, wie die Menschen an einem solchen Tag die Leistung der Einsatzkräfte zu würdigen wissen! Es sind solche Tage, an denen Feuerwehr vor allem Gemeinschaft bedeutet. Kameradschaft. Zusammenhalt. Stolz auf das, was über Jahrzehnte gewachsen ist.
Doch Feuerwehr hat auch eine andere Seite. Eine, über die an solchen Festtagen selten gesprochen wird.
Wenn aus einem gewöhnlichen Abend eine Tragödie wird
Nur drei Tage vor dem Jubiläum erschütterte ein schwerer Verkehrsunfall bei Biesenthal im benachbarten Landkreis Barnim die gesamte Region.
Am Mittwochabend, dem 7. Oktober, waren vier junge Menschen bei einem Zusammenstoß zwischen einem Auto und mehreren Mopeds ums Leben gekommen. Vier junge Leben, die innerhalb weniger Augenblicke endeten. Vier Familien, für die nichts mehr so sein wird wie zuvor.
Die Anteilnahme ist in diesen Tagen einfach überwältigend: Blumen und Kerzen an der Unfallstelle, Trauerbekundungen in den sozialen Netzwerken und eine Andacht in Bernau, zu der mehr als tausend Menschen zusammenkamen. Freunde, Familien, Mitschüler, Vereine und viele weitere Menschen aus der Region trauern gemeinsam.
Auch uns bei MOL-Nachrichten hat dieses Unglück tief bewegt. Wir haben bislang bewusst darauf verzichtet, eine weitere Meldung über den Unfall zu veröffentlichen. Nicht, weil uns das Geschehen gleichgültig wäre. Ganz im Gegenteil. Manchmal braucht es nicht noch eine Schlagzeile, um zu zeigen, dass Menschen Anteil nehmen.
Was bei aller Trauer leicht aus dem Blick gerät, sind die Menschen, die an solchen Abenden alarmiert werden. Feuerwehrleute. Rettungskräfte. Polizisten. Notfallseelsorger. Menschen, die oft gerade noch zu Hause saßen, mit ihren Familien gegessen oder einen ganz gewöhnlichen Abend verbracht haben.
Dann geht der Alarm.
Sie fahren los, ohne genau zu wissen, was sie erwartet. Und manchmal kommen sie an einen Ort, an dem jede Hilfe zu spät kommt. Auch beim Unfall nahe Biesenthal waren Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei im Einsatz. Die Feuerwehr löschte das brennende Unfallfahrzeug. Notfallseelsorger und Einsatznachsorgeteams kümmerten sich nicht nur um Angehörige, sondern auch um Einsatzkräfte.
Denn auch wer professionell hilft, bleibt ein Mensch.
Die Bilder eines schweren Einsatzes verschwinden nicht automatisch, wenn die Uniform ausgezogen und das Fahrzeug wieder in der Wache steht. Manches lässt sich verarbeiten. Manches braucht Zeit. Und manches bleibt. Vielleicht bekommt das Jubiläum der Feuerwehr Hohenstein gerade in diesen Tagen deshalb eine zusätzliche Bedeutung: Hundert Jahre Feuerwehr stehen nicht nur für Fahrzeuge, Gerätehäuser, Einsätze und eine lange Vereinsgeschichte.
Sie stehen vor allem für Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Menschen, die anderen helfen, obwohl sie nicht wissen können, was sie erwartet. Die ihre eigene Zeit einsetzen, damit andere eine Chance bekommen. Und die auch dann weitermachen, wenn ein Einsatz sie selbst nicht unberührt gelassen hat. An diesem Samstag darf in Hohenstein gefeiert werden. Natürlich darf gelacht, erzählt und auf die vergangenen hundert Jahre angestoßen werden. Denn wer Tag für Tag bereitsteht, wenn andere Hilfe brauchen, verdient auch Tage, an denen er selbst im Mittelpunkt steht. Und vielleicht ist genau das der Gedanke, den wir von diesem Jubiläum mitnehmen sollten:
Wenn wir Feuerwehrleuten begegnen, sehen wir meist die Uniform. Das Fahrzeug. Vielleicht das Blaulicht.
Was wir nicht sehen, sind die Geschichten, die diese Menschen mit nach Hause nehmen.
Vier junge Menschen bleiben in unseren Gedanken
Unser Mitgefühl gilt den Familien, Angehörigen und Freunden der vier jungen Menschen, die am Mittwoch bei Biesenthal ihr Leben verloren haben. Wir wünschen ihnen Menschen an ihrer Seite, die ihnen in dieser schweren Zeit Halt geben. Unsere Gedanken sind ebenso bei den Einsatzkräften und allen, die mit den Folgen dieses Unglücks konfrontiert wurden.
Und den Kameraden der Feuerwehr Hohenstein gratulieren wir zu ihrem 100-jährigen Bestehen.
Hundert Jahre für andere da sein. Das ist weit mehr als ein Grund zum Feiern. Es ist ein Grund, RESPEKTVOLL DANKE ZU SAGEN.
Datum: 11.10.2026
© Steffen Herre
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Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur
