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© Steffen Herre

Feiertags - Wochenende

Drachen, Erntewagen und Fanfaren

Der 3. Oktober fällt in diesem Jahr auf einen Samstag. Für Märkisch-Oderland offenbar kein Grund, sich auszuruhen. Eher das Gegenteil. Es wird gelaufen, gefeiert, geritten, geerntet, getöpfert und sogar über den Boden unter unseren Füßen nachgedacht.

Schon der Freitagabend gehört in Strausberg den Familien. Beim traditionellen Knüppelteigfest ziehen am 2. Oktober die Laternenträger zweier Kitas ab 17:50 Uhr im Sternmarsch zur Energie-Arena. Dort gibt der Fanfarenzug gegen 18:30 Uhr ein Platzkonzert, anschließend kann an Feuerstellen Knüppelteig gebacken werden. Wichtig für kleine Stockbrotprofis: Den Stock bitte selbst mitbringen. Wer die Zeit nach Schulschluss noch bunt bereichern mag, fährt vorher zum Drachenfest nach Seelow und lässt Leine.

Am Samstagmorgen dürfte Strausberg dann ziemlich schnell wach sein, denn um 09:00 Uhr startet der 90. Strausseelauf. 90! Der Traditionslauf gehört damit längst selbst zur Stadtgeschichte. Danach übernimmt ab 11:00 Uhr das Altstadtfest die Große Straße und den Markt mit Bühnenprogramm, Händlern und Familienangeboten. Gegen 17:50 Uhr zieht der Fanfarenzug vom Lindenplatz zur Energie-Arena, wo die traditionelle Herbstfanfare den Tag beschließt. Am Ende erleuchtet ein Feuerwerk den Spätsommerhimmel.

Wer am Feiertag noch mehr alte Technik braucht, fährt weiter nach Zinndorf. Dort beginnt am Samstag um 11:00 Uhr das Oktoberfest, und nebenbei wird ein ziemlich besonderer Geburtstag gefeiert: Der Lanz Bulldog wird 90. Um 12:00 Uhr gibt es eine Bulldog-Vorführung, um 13:00 Uhr startet der Umzug mit historischen Maschinen und ab 14:00 Uhr warten u.a. Technikausstellung, Oktober-Café, Bulldog-Wettziehen und Massenkrugstemmen.

Wer Pferdestärken lieber mit vier Beinen mag, fährt nach Hoppegarten. Auf der Rennbahn steht der Renntag der Deutschen Einheit an. Einlass ist ab 12:00 Uhr, das erste Rennen startet um 14:00 Uhr. Im Mittelpunkt steht der traditionsreiche Preis der Deutschen Einheit, dazu gibt es Livemusik und Familienprogramm mit Ponyreiten, Hüpfburg und Kinderschminken. Wer dagegen am Samstag lieber nach oben gen Himmel schaut, fährt nach Hasenholz bei Buckow. Dort beginnt um 14:00 Uhr das Drachenfest auf dem Feld nahe Hasenholz. Der Förderverein der Dorfkirche lädt zum gemeinsamen Drachensteigen ein, dazu gibt es Kuchen, Würste und Getränke. Einen eigenen Drachen sollte man mitbringen. Und falls der nicht fliegt: einfach behaupten, es liegt am Wind. Macht man seit Generationen so :-)

Deutlich kleiner, aber vielleicht gerade deshalb spannend, wird es in Wulkow bei Lebus. Rund um den Ökospeicher findet am Samstag das erste Bodenfestival „Bodenleben. Bodenlos.“ statt. Künstler, Wissenschaftler und Landwirte haben sich zuvor durch Ostbrandenburg bewegt und gefragt, wem Land eigentlich gehört, was unter unseren Füßen lebt und was Boden mit den Menschen macht, die darauf wohnen und arbeiten. Beim Festival kommen Ausstellungen, Workshops, Theater, Musik und Kinderprogramm zusammen. Ein Fest über Erde klingt erstmal nach einer ziemlich trockenen Angelegenheit, bis man feststellt, dass in zwei Handvoll davon mehr Organismen leben können als Menschen auf der Erde. Spannend!

Auch Seelow schaut am Samstag in die Zukunft. Beim „Food for Tomorrow“-Markt von 10:00 bis 18:00 Uhr auf dem Puschkinplatz geht es um die Frage, wie wir uns künftig klimagerecht ernähren können. Probierstationen, Informationen, Gespräche und Bühnenbeiträge gehören dazu. Zukunft kann man offenbar auch essen. Ein Stück weiter westlich wird es klassischer. Das Kloster Chorin lädt Samstag und Sonntag jeweils von 09:00 bis 18:00 Uhr zu seinen Kräuter- und Keramiktagen. Handgefertigte Keramik, Pflanzen, Kräuter und regionale Produkte treffen dort auf Kreativangebote, Theater im mittelalterlichen Gewölbekeller und eine offene Druckwerkstatt. Im Keller spukt außerdem eine weiße Frau, Kinder können eigene Klostergespenster basteln und im Schwarzlicht tanzen lassen.

Und dann wäre da noch ein Ort, an dem am Samstag ebenfalls ziemlich viel Boden bewegt wird, allerdings deutlich schneller: In Wegendorf bei Altlandsberg beginnt um 08:30 Uhr das Stockcar-Rennen. Wer PS, Lärm, Staub und Autos mag, die nach einem Rennen nicht zwingend schöner aussehen als vorher, dürfte dort richtig sein.

Der Sonntag gehört dann dem Oderbruch. Im Oderbruch Museum Altranft beginnt um 11:00 Uhr das Deutsch-Polnische Erntedankfest, das größte Fest der Museumssaison. Essen aus der Grenzregion, Handwerk, Landwirtschaft, Musik aus Deutschland und Polen, geschmückte Erntewagen und historische Landtechnik füllen den Dorfanger. Gegen 13:00 Uhr wird der große Festumzug erwartet. Die polnische Volksmusikgruppe Kalina aus Kobylanka läuft mit, Hanka Billert bringt eine Puppenwerkstatt mit, die Windfalls verbinden osteuropäische Klänge mit Jazz und LaMule Cirque macht aus „Rapunzel“ eine Artistikshow. Erntedank eben. Nur ohne den Staub auf der Tradition.

Und wenn am Sonntagabend langsam Ruhe einkehren sollte, macht Niederfinow noch einmal das Licht an. Das neue Schiffshebewerk feiert Geburtstag und wird beim Lichterfest am 4. Oktober gemeinsam mit dem Hebewerksensemble illuminiert. Zwischen etwa 19:00 und 22:00 Uhr tauchen Licht und Klang die gewaltigen Bauwerke in eine ziemlich ungewöhnliche Kulisse. Führungen zeigen die Technik.

Und das waren wieder nur einige Tipps. Dieses Wochenende ist die Region derart voll mit Veranstaltungen, dass hier nicht alles sinnvoll reinpasst. Wer noch nichts gefunden hat, schaut in unseren Veranstaltungskalender. Vielleicht ist das überhaupt die schönste Nachricht dieses Wochenendes: Während anderswo über Unterschiede gestritten wird, laufen hier Menschen gemeinsam um einen See, lassen Drachen steigen, feiern auf Dorfangern, sitzen an langen Tischen und ziehen mit Erntewagen durchs Oderbruch.

Einheit kann manchmal erstaunlich einfach sein. Man muss nur hingehen.

Datum: 02.10.2026




Dieser Artikel wurde erstellt durch:

Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur

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