© Steffen Herre
Mehr Zweitakt-Duft
mit 60 Sachen
Die Tage werden kürzer, die Temperaturen langsam niedriger und so manche Simson dürfte demnächst für Herbst und Winter in Garage oder Schuppen verschwinden. Noch aber zeigt uns der Blick in die Hofeinfahrten auf den Dörfern ein anderes Bild: Da wird geschraubt, geölt und zum 20. Mal auf den Kickstarter getreten. Simson-Mopeds gehören in Brandenburg noch immer zum Straßenbild. Ein Grund dafür dürfte eine Besonderheit sein, um die sie manches moderne Kleinkraftrad beneidet: Viele der alten Maschinen dürfen ganz legal 60 km/h fahren. Und dieses Privileg könnte nun auch für bestimmte Reimporte gelten:
Bevor die Zweitakt-Duftwolken auf Brandenburgs Straßen etwas seltener werden, gibt es für einen Teil der Simson-Gemeinde aber noch eine interessante Nachricht für die nächste Saison: Auch bestimmte Reimporte können mit 60 km/h unterwegs sein.
Das Bundesverkehrsministerium hat bereits Mitte August seine Rechtsauffassung klargestellt und empfiehlt den Bundesländern, reimportierte Simsons den entsprechenden DDR-Fahrzeugen gleichzustellen. Hintergrund ist der Einigungsvertrag. Nach Auffassung des Ministeriums enthält die dortige Übergangsregelung keine ausdrückliche Beschränkung darauf, dass das Fahrzeug ursprünglich auf dem Gebiet der DDR in Verkehr gekommen sein musste.
Ganz automatisch gibt es die zusätzlichen 15 km/h allerdings nicht, denn das Moped muss einem damals in der DDR genehmigten Fahrzeugtyp entsprechen, bis einschließlich 28. Februar 1992 erstmals in Verkehr gekommen sein und die Verkehrssicherheit muss bestätigt werden. Im Rahmen eines Gutachtens kann festgestellt werden, ob ein Reimport diese Voraussetzungen erfüllt.
Ist das der Fall, gilt die Maschine als zulassungsfreies Kleinkraftrad und darf mit der Fahrerlaubnisklasse AM 60 km/h fahren. Bislang war zwischen den für die Zulassung zuständigen Bundesländern umstritten, ob die Sonderregelung auch für baugleiche Maschinen gilt, die einst exportiert und später wieder nach Deutschland gebracht wurden. Der Bund hat sich im August für die Gleichbehandlung ausgesprochen.
Für Simson-Fans ist das eine ziemlich gute Nachricht zum Saisonende. Und wer seine S50, S51 oder Schwalbe demnächst einmottet, hat über den Winter vielleicht gleich noch etwas zu erledigen: Papiere prüfen, Voraussetzungen klären und im Frühjahr wieder losknattern. Mit 60 Sachen. Und jener kleinen Zweitakt-Fahne, die noch einen bläulichen Dunstschleier hinterlässt.
Textquelle: Steffen Herre
Datum: 24.09.2026
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur
