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Abb. 1: Ein Taubenschwänzchen im Anflug an die Blüte einer Acker-Witwenblume im Naturschutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch im Naturpark Märkische Schweiz, 14.10.2018.

Abb. 1: Ein Taubenschwänzchen im Anflug an die Blüte einer Acker-Witwenblume im Naturschutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch im Naturpark Märkische Schweiz, 14.10.2018.
© Dr. Jörg Hoffmann

Taubenschwänzchen und Hummelschwärmer

unsere märkischen „Kolibris“

Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) und Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis) – unsere märkischen „Kolibris“

Das Taubenschwänzchen und der Hummelschwärmer zählen zu den tagaktiven Nachtfaltern. In Brandenburg sowie auch in unserem Landkreis kann man das als ungefährdet geltende Taubenschwänzen, vorwiegend ein Wanderfalter, hin und wieder beobachten, den gefährdeten heimischen Hummelschwärmer nur selten. Diese zwei Arten unterscheiden sich kaum in ihrer Größe sowie in der Art des Fluges, der an den eines Kolibris erinnert. Die Flügelspannweite liegt bei 4,5 bis 5 cm, die Körperlänge bei etwa 3 cm und es sind Leichtgewichte, die nur rund 300 Milligramm auf die Waage bringen. Die Farbzeichung beider Falterarten ist jedoch deutlich verschieden. Taubenschwänzchen weisen grau-beige-weiße Farbmuster des Körpers und der Oberflügel auf, die Unterflügel sind orangefarben (Abb. 1, 2, 3).


Der Hummelschwärmer, das Weibchen, hat teils olivgelbe, weiße sowie braune Farben (Abb. 4, 5). Sein Körper weist einen deutlich abgesetzten bordeauxfarbenen Abschnitt des Hinterleibes auf, der sich ringförmig um den Hinterleib schließt. Die Flügel sind überwiegend durchsichtig und deren Ränder auch Bordeauxfarben, vielleicht eine einzigartige Farbvariante der Natur, die man besser als „Hummelschwärmer-Weinrot“ oder „Hummelschwärmer-Bordeaux“ benennen könnte. Das Männchen wirkt etwas schlichter und weist an Stelle der Bordeauxfarben des Weibchens olivgrün-getönte Farben auf.


Aber kann man die Flügel der märkischen „Kolibris“, deren Form, Farben und Strukturen, im Flug erkennen? Für das menschliche Auge ist dies kaum möglich. Sie bleiben im Verborgenen bzw. lassen sich bestenfalls nur erahnen. Bei einer Schlagfrequenz von bis zu 90 Flügelschlägen in der Sekunde, wenn z. B. ein Falter im Schwirrflug vor der Blüte „steht“, bleiben die Konturen sowie alle Flügeldetails unsichtbar, ähnlich wie dies bei einem voll rotierenden Laufrad eines Ventilatorflügels der Fall ist.

Mit der Fotografie (oder der Hochgeschwindigkeitsfilmaufnahme) können sich jedoch diese rasend schnellen Bewegungsabläufe dem Auge erschließen, was sonst im Verborgenen bleibt. Ab einer Belichtungszeit von etwa einer dreitausendstel Sekunde, oder kürzer, werden die Flügel im Flug, als Momentaufnahmen mit der Fotografie in ihrer Bewegung konserviert und als ein quasi statischer Zustand für das Auge im Bild sichtbar.

Die in diesem Beitrag enthaltenen Falterabbildungen wurden mit der Kürze einer 1/3200 Sekunde Belichtungszeit im Bild festgehalten. Erst diese Mikro-Momentaufnahme ermöglichte das Erkennen der Flügel beider Arten. Beim Hummelschwärmer wurde damit sogar die Transparenz der Flügel mit Durchblick auf die Blüten darunter während der Fluges offenbar, wie in Abbildung 5 ersichtlich.

Beide Falterarten zeichnen sich durch eine hohe Flugausdauer und einen enormen Nektarbedarf über den Tag aus. Den Blütennektar erlangen sie mit Hilfe ihres knapp 3 cm langen Saugrüssels, den sie während des Fluges einrollen, ihn erst unmittelbar vor dem „Nektartanken“ im Schwirrflug nahe der Blüte ausstrecken und in die Blüte bis zur Nektarquelle führen (Abb. 2, 3 u. 4), um sich ihre Energiequelle zu erschließen.

Aus der Literatur, u. a. in SAGE (2026), sind weitere Merkmale der Falter bekannt, die über Besonderheiten und die Leistungsfähigkeiten berichten, für das Taubenschwänzchen z. B.:
• um den enormen Kalorienverbrauch der Flugmuskulatur zu decken, muss es täglich etwa das Doppelte seines eigenen Körpergewichts an Nektar aufnehmen;
• ein einzelner Falter steuert dazu pro Tag bis zu 5.000 Blüten an;
• es werden Fluggeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h erreicht mit einer möglichen Beschleunigung von 0 auf 70 km/h in nur 6 Sekunden;
• Tiere der Sommergeneration leben bis zu sechs Wochen, ggf. überwinternde Falter in unserer Region vermutlich etwa sieben Monate;
• in Abhängigkeit vom Blütenangebot und den bestehenden Lebensraumbedingungen werden in der Zeit vom Frühjahr bis zum Herbst nicht selten sehr große Wegstrecken zurück gelegt;
• Wanderungen erfolgen regelmäßig aus dem Mittelmeerraum bis nach Mitteleuropa, teils über die Alpen, auch weiter bis nach Skandinavien, sogar über enorm weite Entfernungen ohne jegliche Nahrungsverfügbarkeit wie Flüge über den Atlantik bis nach Island.

Taubenschwänzchen galten als ausgesprochene Wanderfalter mit Hauptverbreitung im mediterranen Raum, deren Auftreten durch die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte zugenommen zu haben scheint. Allerdings gibt es auch lange vor der rezenten Klimaerwärmung Beobachtungen des Taubenschwänzchen in unserer
Region, wie der Nachweis der Art schon vor fast 100 Jahren im Stöbbertal, in der Märkischen Schweiz (HALLE 1933), verdeutlicht. Jüngere Beobachtungen zeigen, dass Taubenschwänzchen aktuell keine ausschließlichen Wanderfalter in der Region mehr sind. Tiere überwintern gelegentlich. Sie können dann bereits im zeitigen Frühjahr an milden Tagen gesichtet werden, wie die Beobachtung am 31. März 2024 auf einer Waldrand-Wiese am Ortsrand von Waldsieversdorf zeigte, dort beim Nektarsammeln an Lerchenspornblüten. Auch gibt es Feststellungen, die regional die Fortpflanzung der wärmeliebenden Art beweisen, wie ein Raupenfund (Abb. 6) Anfang Juli 2026 im Naturpark Märkische Schweiz. Auch für den heimischen Hummelschwärmer gab es schon vor langer Zeit Nachweise im Gebiet (HALLE 1933). Allerdings ist kaum etwas über die damalige Häufigkeit dieser heute nur selten zu findenden Falterart bekannt.

Literatur:
HALLE, W. 1933: Der Stöbber. Sein Lauf in Zeichnung und Bild. Seine Pflanzen- und Tierwelt. Finow: 22 S. (Originalmanuskript in Handschrift und Schreibmaschine, mit 41 s-w Fotos, davon drei mit Schmetterlingssammlungen sowie sieben handgezeichneten, farbigen Karten; unpubliziertes Originalmanuskript.
W. SAGE 2026: Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis) und Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) - unsere „Gartenkolibris“, Altötting: 1 S. https://altoetting.bund-naturschutz.de/natur-und-umweltthemen/biotop-und-artenschutz/artensteckbriefe/insekten/hummelschwaermer-taubenschwaenzchen
abgerufen 06.09.2026.



Zum Autor:
Jörg Hoffmann beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der heimischen Natur. Besonders interessieren ihn die Artengruppen Vögel, Gefäßpflanzen und Tagfalter der Region sowie der Naturschutz. Er promovierte auf den Gebieten der Landwirtschafts- sowie der Naturwissenschaften. Gut 40 Jahre arbeitete er als Wissenschaftler in den Forschungsinstituten in Müncheberg, Braunschweig und Kleinmachnow. Er publizierte ca. 300 Fachbeiträge in Zeitschriften und Büchern. Eine jüngere Langzeitstudie befasste sich mit den Veränderungen der Biodiversität unserer Landschaften (HOFFMANN, J. 2023: Biodiversität im Zeitvergleich. Strukturelemente und Nutzungen räumlich identischer Ackerbaugebiete 1991-1993 und 2018-2021. Auswirkungen auf die Biodiversität. Berichte aus dem Julius Kühn-Institut 224: 940 S. https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00088315 ).

Datum: 10.09.2026




Abb. 2: Ein Taubenschwänzchen im Anflug an die Blüten einer Kohl-Gänsedistel im Urft-Tal (Eifel), 12.08.2026.

Abb. 2: Ein Taubenschwänzchen im Anflug an die Blüten einer Kohl-Gänsedistel im Urft-Tal (Eifel), 12.08.2026.

Abb. 3: Ein Taubenschwänzchen im „Schwirrflug“ beim Nektarsaugen an einer Blüte einer Kohl-Gänsedistel im Urft-Tal (Eifel), 12.08.2026.

Abb. 3: Ein Taubenschwänzchen im „Schwirrflug“ beim Nektarsaugen an einer Blüte einer Kohl-Gänsedistel im Urft-Tal (Eifel), 12.08.2026.

Abb. 4: Ein Hummelschwärmer-Weibchen im Flug vor Blüten des Sommerflieders, Gartenland in Waldsieversdorf, unweit der Fischteiche, 15.07.2026.

Abb. 4: Ein Hummelschwärmer-Weibchen im Flug vor Blüten des Sommerflieders, Gartenland in Waldsieversdorf, unweit der Fischteiche, 15.07.2026.

Abb. 5: Ein Hummelschwärmer-Weibchen im Flug beim Nektarsaugen an einer Blüte des Sommerflieders, Gartenland in Waldsieversdorf, unweit der Fischteiche, 15.07.2026

Abb. 5: Ein Hummelschwärmer-Weibchen im Flug beim Nektarsaugen an einer Blüte des Sommerflieders, Gartenland in Waldsieversdorf, unweit der Fischteiche, 15.07.2026

Abb. 6: Die Raupe des Taubenschwänzchens am Blütenstand des Gelben Laubkrautes auf der Schmetterlingswiese am Lindenplatz am Rande des Roten Luchs bei Waldsieversdorf im Naturpark Märkische Schweiz, 09.07.2026.

Abb. 6: Die Raupe des Taubenschwänzchens am Blütenstand des Gelben Laubkrautes auf der Schmetterlingswiese am Lindenplatz am Rande des Roten Luchs bei Waldsieversdorf im Naturpark Märkische Schweiz, 09.07.2026.

Dieser Artikel wurde erstellt durch:

Redaktion MOL Nachrichten
Andreas Prinz
Redaktion


Tel.: 0 33 41 / 49 99 99

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