Abb. 1: Portrait einer Bekassine während der Rast im Altfriedländer Teichgebiet, Naturpark Märkische Schweiz; 09.08.2026.
© Dr. Jörg Hoffmann
Die Bekassine
liebt es feucht und nass
Die Bekassine (Gallinago gallinago) liebt es feucht und nass
Die Bekassine (Abb. 1) zählt zu den Schnepfenvögeln. Sie besiedelt Feuchtgebiete und hat dort ihre Rast- sowie Brutareale. Obwohl die Bekassine nur um die 100 Gramm auf die Waage bringt, war sie von alters her eine beliebte Jagdbeute. Auch heute noch wird sie in vielen Ländern, wie Frankreich, Spanien, Großbritannien und Portugal, intensiv bejagt. Die jährliche Jagdstrecke soll allein in der Europäischen Union bei etwa 500.000 Tieren liegen, obwohl dort keineswegs Nahrungsknappheit herrscht.
Die Brutgebiete der Bekassine erstrecken sich über den mittel-, nord- und osteuropäischen Raum. Sie reichen weiter östlich über Sibirien bis in den fernen Osten Russlands nach Kamtschatka.
In Deutschland sind die Bestände der Bekassine seit Jahrzehnten im starken Rückgang und die Art ist heute vom Aussterben bedroht, wenn man der Einschätzung der Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten folgt. Die Jagd auf diesen Vogel ist daher in Deutschland schon seit längerer Zeit nicht mehr erlaubt und es gibt eine Reihe von Naturschutzmaßnahmen, die zum Erhalt der heimischen Brutbestände beitragen sollen.
In jüngster Zeit wurde der bundesweite Bestand auf nur noch etwa 3.000 Brutpaare geschätzt, mit weiter rückläufigem Trend. Diese negative Entwicklung wurde auch regional beobachtet. HAASE (1993) dokumentierte für den früheren Landkreis Strausberg vor 33 Jahren noch 17 kleinere Brutgebiete, von denen heute nur noch 2 oder 3 existieren. Aktuell kann vielleicht noch mit 10 bis 12 Brutpaaren im Territorium des ehemaligen Kreises Strausberg gerechnet werden.
Nasse Seggenriede mit Weidengebüschen und angrenzenden nassen Erlenbrüchen sind geeignete Lebensräume für die Bekassine während der Brutzeit. Die Reviere werden in der Regel im März besetzt. Man kann dann, besonders in den frühen Morgen- sowie den Abendstunden den Balzflug der Vögel vernehmen. Dabei erzeugen die Männchen in einem schleifenförmigen Flug mit den gespreizten Schwanzfedern ein deutlich hörbares Geräusch, das an das Meckern einer Ziege erinnert. Bekassinen tragen daher auch den volkstümlichen Name „Himmelsziege“. Außerdem kann von Sitzwarten in den Feuchtgebieten ein täckerndes Geräusch der Vögel vernommen werden, der Revierruf der Bekassine. Während dieser Stimmakustik kommt es häufig zum deutlichen Verbiegen des Vorderteils des elastischen Schnabels.
Meist endet die Brutsaison im Juni bzw. Anfang Juli. Danach werden die engeren Brutreviere verlassen und es können sich kleine Rastgesellschaften an Teichen und Kleingewässern mit schlammigen Uferpartien bilden. Zudem gibt es einen Durchzug nordöstlich verbreiteter Tiere, die an geeigneten Plätzen zur Rast und Nahrungssuche verweilen.
Gern schreiten die Bekassinen im einige Zentimeter tiefen Flachwasser (Abb. 2), um mit dem Schnabel nach Kleintieren im Schlamm zu stochern. Nahrungsquellen bilden z. B. schlammbewohnende Insektenlarven, Würmer und andere Kleintiere. Bekassinen sind sehr aufmerksame Beobachter ihrer Umgebung (Abb. 3) und schnell auf der Flucht, falls sie Gefahren erkennen.
Durch ihren Aufenthalt am und teils im Wasser sind die Bekassinen auf ein vor Feuchtigkeit, Kälte und Abnutzung gut geschütztes Federkleid angewiesen. Sie betreiben daher, oft schon in den frühen Morgenstunden, eine umfangreiche Gefiederpflege. Dazu zählt ein gründliches Bad im Flachwasser (Abb. 4) sowie eine intensive Pflege aller Gefiederpartien. Um eine Durchnässung und vorzeitige Abnutzung der Federn zu vermeiden, werden diese während der Gefiederpflege mit einem körpereigenen, fetthaltigen Sekret versehen. Dieses befindet sich in der Bürzeldrüse, an der Oberseite der Schwanzwurzel und wird in gelenkiger Übung durch eine etwa 180 Grad Verdrehung des Kopfes mit dem Schnabelende aufgenommen (Abb. 5) und anschließend im Gefieder verteilt. Diese Pflegemaßnahme zieht sich, wenn keine Störungen erfolgen, über einige Minuten hin. Währenddessen werden auch Federn gerichtet und Bewegungsfunktionen im „neuen Look“ getestet, was sich durch Flügelrecken (Abb. 6), kleine Hopser oder Streckübungen (Abb. 7) zeigen kann. Mitunter schließt sich ein Ruhe- oder Schlafpäuschen an (Abb. 8). Die Bekassinen sind dann wieder fit für den ganzen Tag und können im seichten Wasser der Schlammlagunen ihrer Nahrungssuche, teils auch Kommunikation untereinander, nachgehen.
Noch bis in den Spätherbst hinein kann die seltene Bekassine in einigen der Feuchtgebiete auftreten. Selten sind Winternachweise möglich, jedoch verlässt der ganz überwiegende Teil der Bekassinen unsere Region mit Abwanderung in südlichere Gebiete. Es bleibt zu hoffen, dass auch dort zukünftig die Jagd auf dieses faszinierende Geschöpf unterbleibt und sich dann vielleicht auch wieder die heimischen Brutbestände stabilisieren und erholen könnten. Wichtig für die Zukunft sind zudem ausreichend große, ungestörte, nasse Feuchtgebiete mit ausreichender Wasserverfügbarkeit über das Jahr.
Literatur:
HAASE, G. 1993: Bekassine – Gallinago gallinago (L., 1758). – In: HOFFMANN, J., KOSZINSKI, A. (Hrsg.): Die Vogelwelt im Landkreis Strausberg. Tastomat, Eggersdorf: 115-116.
Zum Autor:
Jörg Hoffmann beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der heimischen Natur. Besonders interessieren ihn die Artengruppen Vögel, Gefäßpflanzen und Tagfalter der Region sowie der Naturschutz. Er promovierte auf den Gebieten der Landwirtschafts- sowie der Naturwissenschaften. Gut 40 Jahre arbeitete er als Wissenschaftler in den Forschungsinstituten in Müncheberg, Braunschweig und Kleinmachnow. Er publizierte ca. 300 Fachbeiträge in Zeitschriften und Büchern. Eine jüngere Langzeitstudie befasste sich mit den Veränderungen der Biodiversität unserer Landschaften (HOFFMANN, J. 2023: Biodiversität im Zeitvergleich. Strukturelemente und Nutzungen räumlich identischer Ackerbaugebiete 1991-1993 und 2018-2021. Auswirkungen auf die Biodiversität. Berichte aus dem Julius Kühn-Institut 224: 940 S. https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00088315 ).
Datum: 25.08.2026
Abb. 2: Eine Bekassine während der Rast in den frühen Morgenstunden in einer Flachwasserlagune im Altfriedländer Teichgebiet, Naturpark Märkische Schweiz; 09.08.2026.
Abb. 3: Zwei Bekassinen beobachten aufmerksam ihre Umgebung, Altfriedländer Teichgebiet im Naturpark Märkische Schweiz; 09.08.2026.
Abb. 4: Eine Bekassine beim morgentlichen Bad in einer Flachwasserzone, Naturpark Märkische Schweiz; 09.08.2026.
Abb. 5: Zur Gefiederpflege streicht die Bekassine nach dem Morgenbad mit ihrem langen Schnabel, den Kopf um 180 Grad gedreht, über ihre Bürzeldrüse an der Oberseite der Schwanzwurzel, um fetthaltiges Sekret für die Gefiederpflege aufzunehmen, Altfriedländer Teichgebiet, Naturpark Märkische Schweiz; 09.08.2026.
Abb. 6: Nach erfolgter Gefiederpflege erprobt die Bekassine ihre Flügelfunktionen, Altfriedländer Teichgebiet, Naturpark Märkische Schweiz; 09.08.2026.
Abb. 7: Auch reckt sich die Bekassine, sträubt und richtet Federpartien während und nach der Gefiederpflege, Altfriedländer Teichgebiet, Naturpark Märkische Schweiz; 09.08.2026.
Abb. 8: Nach der Gefiederpflege und der Nahrungssuche wird gern eine Ruhepause eingelegt, Altfriedländer Teichgebiet, Naturpark Märkische Schweiz; 09.08.2026.
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Dr. Jörg Hoffmann
