Abb. 1: Das Veränderliche Widderchen (Zygaena ephialtes) an der Blüte einer Grasnelke in einem artenreichen Trockenrasen bei Münchehofe (Märkische Schweiz); 27.07.2025.
© Dr. Jörg Hoffmann
Die Widderchen
tagaktive Nachfalter mit leuchtenden Farben
Manchmal begegnet man in der Sommerzeit auf blütenreichen Wiesen kleinen, rot oder grün leuchtenden Schmetterlingen. Es sind Widderchen (Abb. 1). Diese zählen zur artenreichen Gruppe der tagaktiven Nachtfalter (ULRICH 2018).
In Deutschland wurden bisher 24 Widderchen-Arten gefunden, in ganz Brandenburg 14, von denen einige auch in unserer Region in Märkisch-Oderland vorkommen. Unterschieden wird dabei zwischen den Grünwidderchen (Abb. 2), im Sonnenlicht grün-bläulich schimmernd, mit 5 Arten in Brandenburg sowie den Rotwidderchen, mit 9 Arten (RÄMISCH et al. 2023). Letztere tragen wegen ihrer blutroten Zeichnung auch den Namen „Blutströpfchen“. Außerdem gibt es das Weißfleck-Widderchen (Abb. 3), welches aber nicht den eigentlichen Widderchen zugehörig ist, sondern der Unterfamilie der Bärenspanner, obgleich es im Erscheinungsbild den Widderchen sehr ähnelt.
Widderchen wirken in ihrem Verhalten eher entspannt. An Nektarpflanzen lassen sie sich Zeit für die Nektaraufnahme, für Ruhepausen und sicher auch für Kommunikationen untereinander, über die man bisher jedoch kaum etwas weis. Nicht selten kann man zwei oder mehr Widderchen an einer Blüte antreffen.
Die Scheu der Widderchen ist im Vergleich zu manchen Tagfaltern geringer. Sie lassen sich daher oft recht leicht aus der Nähe bestaunen. Aber Vorsicht, bitte nicht berühren! Dies nicht nur, um Störungen oder gar Verletzungen der zarten Wesen zu vermeiden, sondern auch, da sie als sehr giftig gelten und zu den giftigsten Falterarten gezählt werden. Durch ihr Gift, Blausäure, sind sie in allen Entwicklungsphasen, vom Ei über die Raupe zur Puppe und dem fertigen Schmetterling kein Ziel für Fressfeinde. Sie können sich daher auch als farbenprächtige Falter in ihren Wiesenlebensräumen recht unbeschwert verhalten.
Mit Ausnahme des Sumpfhornklee-Widderchens (Abb. 4), welches ausschließlich in Feucht- und Nasswiesen angetroffen werden kann, siedeln die weiteren Widderchen-Arten (Abb. 1, 2, 5, 6, 7) in trockeneren Lebensräumen. Dies sind vorwiegend floristisch artenreiche Trocken- und Halbtrockenrasen, teils auch breite, sonnige Waldsäume. Diese Lebensräume befinden sich oft in geschützten Gebieten, z. B. im Naturpark Märkischen Schweiz.
Die Flugzeiten der einzelnen Falterarten unterscheiden sich artspezifisch. Frühe Beobachtungen von Widderchen sind bei Amper-Grünwidderchen schon ab Ende Mai möglich. Die Hauptflugzeit der meisten Widderchen liegt jedoch in der Zeit zwischen Mitte Juni und Anfang August. Vereinzelt sind Beobachtungen sogar bis Ende August, z. B. von Sechsfleck-Widderchen (Abb. 7), möglich.
Wie es scheint, sind aktuell alle Widderchen-Arten seltener geworden und im Bestand regional gefährdet.
Literatur:
ULRICH, R. 2028: Tagaktive Nachtfalter. Kosmos Naturführer. Franckh-Kosmos, Stuttgart: 309 S.
RÄMISCH, F., GELBRECHT, J., BRAUNER, O. 2023: Die Widderchen von Brandenburg und Berlin (Lepidoptera, Zygaenidae). Naturschutz in Berlin und Brandenburg 32: 4-57.
Fotos: Jörg Hoffmann
Zum Autor:
Jörg Hoffmann beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der heimischen Natur. Besonders interessieren ihn die Artengruppen Vögel, Gefäßpflanzen und Tagfalter der Region sowie der Naturschutz. Er promovierte auf den Gebieten der Landwirtschafts- sowie der Naturwissenschaften. Gut 40 Jahre arbeitete er als Wissenschaftler in den Forschungsinstituten in Müncheberg, Braunschweig und Kleinmachnow. Er publizierte ca. 300 Fachbeiträge in Zeitschriften und Büchern. Eine jüngere Langzeitstudie befasste sich mit den Veränderungen der Biodiversität unserer Landschaften (HOFFMANN, J. 2023: Biodiversität im Zeitvergleich. Strukturelemente und Nutzungen räumlich identischer Ackerbaugebiete 1991-1993 und 2018-2021. Auswirkungen auf die Biodiversität. Berichte aus dem Julius Kühn-Institut 224: 940 S. https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00088315 ).
Datum: 15.07.2026
Abb. 2: Das Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices) an Ampferpflanze im Roten Luch, nördlicher Teil, auf einer Weidebrache; 19.07.2025.
Abb. 3: Das Weißfleck-Widderchen (Amata phegea) auf der Blüte einer Ackerwitwenblume an einem Waldsaum südöstlich Frankfurt/Oder; 26.06.2025.
Abb. 4: Das Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifolii) auf der Blüte seiner Wirtspflanze, dem Sumpfhornklee in einer artenreichen Niedermoorwiese, der Märchenwiese bei Waldsieversdorf im Naturpark Märkische Schweiz; 22.06.2026.
Abb. 5: Bibernell-Widderchen (Zygaena minos) auf der Blüte einer Ackerwitwenblume in einem Trockenrasen bei Carwitz in der Uckermark; 20.06.2025.
Abb. 6: Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti) auf der Blüte von Natternkopf in einem Trockenrasen bei Buckow im Naturpark Märkische Schweiz; 09.07.2026.
Abb. 7: Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae) bei der Paarung an der Blüte einer Skabiosen-Flockenblume im Sophienfließtal zwischen Bollersdorf und Grunow im Naturpark Märkische Schweiz; 21.08.2025.
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Dr. Jörg Hoffmann
