Storchenküken
© Stephan Dreyse
Einer flog aus dem Nest.
Schwere Zeiten für Störche.
Störche in Prädikow: Jungtier aus dem Horst gefallen und schnell geholfen
Stellen sich die Störche auf schwierige Zeiten ein? Diese Frage stellt sich zumindest, wenn man den Vorfall am Storchennest an der B 168 betrachtet. So grausam es klingen mag, aber in der Natur kommt es immer wieder vor, dass Störche geschwächte Jungtiere aus dem Nest werfen, um die Versorgung der übrigen Küken sicherzustellen. Ein solches Jungtier wurde am Dienstagmorgen unweit des Horstes gefunden.
Wie unsere Redaktion von Stephan Dreyse erfuhr, war dieser zufällig mit dem Fahrrad unterwegs, als ihm auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Höhe des Storchennests ein weißes, flauschiges Bündel auffiel. Er hielt an, überquerte die Straße und stellte fest: Es handelte sich um ein Storchenküken. „Es wäre sonst vermutlich von den vorbeifahrenden Autos erfasst worden“, so Dreyse.
Er brachte das Tier vorsichtig in das Gras unterhalb des Horstes. Dort zeigte sich schnell, dass der Jungvogel zwar deutlich geschwächt war, aber noch Lebenszeichen zeigte. Er bewegte sich, reagierte und gab leise Laute von sich. Die weitere Versorgung gestaltete sich zunächst schwierig. Eine schnelle Internetrecherche sowie mehrere Telefonate mit Stellen wie NABU und verschiedenen Auffangstationen führten nicht direkt zu einer Lösung, da zuständige Einrichtungen zu weit entfernt waren. Zufällig kamen schließlich Anwohnerinnen hinzu und unterstützten die Situation. Für Birgit J. sind die Störche längst vertraute Nachbarn. Sie holte zudem Renate W. dazu, die von ihrem Grundstück aus direkten Blick auf den Horst hat und die Tiere regelmäßig beobachtet.
„Seit dem 6. Mai sind drei Jungtiere im Nest“, berichtet Renate W.. Allerdings sei der Horst schwer einsehbar, da er recht tief liegt. Kurz vor dem Fund habe ihr Mann beobachtet, dass einer der Altvögel mit einem Jungtier vom Horst weggeflogen sei. Solche Verhaltensweisen sind in der Storchenaufzucht nicht ungewöhnlich: Wenn Nahrung knapp ist oder ein Küken geschwächt wirkt, kann es vorkommen, dass Altvögel einzelne Jungtiere aus dem Nest entfernen, um die Überlebenschancen der übrigen zu sichern. Die jüngsten trockenen und warmen Tage könnten zudem das Nahrungsangebot für die Altvögel erschwert haben. Das gefundene Küken wurde zunächst von Birgit J. aufgenommen und versorgt, während parallel weiter nach fachlicher Unterstützung gesucht wurde. „Man reagiert in so einer Situation einfach und tut das, was gerade möglich ist, bis Fachleute übernehmen können“, sagt Stephan Dreyse, der auch betrieblicher Ersthelfer ist.
Ob das junge Tier überlebt, bleibt offen. Die Beteiligten hoffen dennoch auf eine gute Entwicklung und weitere Hilfe durch zuständige Stellen.
Bereits im vergangenen Jahr gab es in der Region einen ähnlichen Fall, bei dem ein Storchenjunges nach einem Sturz aus dem Nest zunächst gerettet und später erfolgreich aufgepäppelt werden konnte.
Zusammen mit Stephan Dreyse möchten wir folgenden Hinweis geben: Wer verletzte oder geschwächte Wildtiere findet, sollte vorsichtig handeln und geeignete Stellen kontaktieren. Je nach Tierart können NABU-Storchenbetreuer, Wildvogelstationen, Tierärzte oder im Notfall auch Feuerwehr oder Polizei unterstützen.
Danke Stephan für diese großartige Begebenheit.
Datum: 28.05.2026
War er es ?
© Stephan Dreyse
Storchenküken im Gras
© Stephan Dreyse
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur
