Abb. 1: Eine männliche Eiderente auf der Ostsee an der Westküste vor Hiddensee in der offenen See; 04. Dezember 2025.
© Dr. Jörg Hoffmann
Die Eiderente
ein besonderer Gast
Die Eiderente (Somateria mollissima), ein besonderer Gast auf märkischen Seen
Die Eiderente (Abb. 1 und 2) ist in Deutschland ein seltener Brutvogel an der Nordsee- und Ostseeküste. Nur gelegentlich erscheinen einzelne Tiere oder kleine Trupps im Binnenland während der Zugzeiten, meist auf größeren, klaren Seen (HAUPT, H. 2001).
Die Eiderente wird zu den Meeres-Tauchenten gezählt. Sie ernährt sich vorzugsweise von Mies- und Dreikantmuscheln, die sie tauchend in der Küstenzone sowie in flachen Gewässerteilen der Seen aus bis zu etwa 8 Metern Tiefe erbeutet. Aufgenommene Muscheln werden im Ganzen verschluckt und die Schalenreste später wieder ausgespien.
Der wissenschaftliche Gattungs- sowie der Artname der Eiderente nehmen Bezug auf die außergewöhnlich weichen und sehr wärmeisolierenden, einzigartigen Federdaunen dieser Tauchenten. Ihr Gattungsname Somateria wurde aus dem griech. sōmatos = der Körper sowie den Worten tò érion = die Wolle abgeleitet (WEMBER 2005). Der Artname mollissima, als Superlativ des lat. mollis = weich, bedeutet „die Weichste“, eine wortwörtlich zutreffende Eigenschaft der Daunen.
Für den Nestbau am Boden nutzt die Eiderente ihre feinsten Daunenfedern, die sie zu Beginn der Brutsaison aus ihrem Brustgefieder zupft. Diese sind überaus luftig leicht und besitzen eine ganz hervorragende Wärmeisolation. Sie umhüllen in dichtem Flaum das Gelege und schützen es während der Brutzeit vor Kälte und Wind.
In einigen nördlichen Regionen Europas, wie Teilen Islands, werden die Daunen der Eiderenten seit Jahrhunderten gesammelt und genutzt, u. a. für Daunen-Bettdecken, Kinderwagen-Fußsäcke sowie spezielle Kleidungsstücke.
Um die kostbaren Daunen nachhaltig nutzen zu können, wurden von isländischen Bauern Nester mit ihren Daunen nur zum Teil mit der Hand abgesammelt, so dass die Wärmeisolation der Gelege gesichert blieb. Außerdem wurden die Brutplätze, oft Kolonien der Eiderenten, vor den Polarfüchsen geschützt. So bildete sich über die Jahrhunderte eine Koexistenz von Mensch und Eiderente auf Island heraus, die bereits seit der Besiedelung im 9. Jahrhundert begann (ISLÄNDISCHE EIDERDAUEN 2026).
In Europa insgesamt sind die Bestände der Eiderente in den letzten Jahrzehnten stark zurück gegangen, was aber weniger auf das Sammeln der Daunen zurückgeführt wurde. Ursachen dafür liegen in stärkerem Maße bei Umweltverschmutzungen, an den Folgen der Netzfischerei, an zunehmendem Nahrungsmangel und möglicherweise auch an den komplexen Folgen des Klimawandels.
In unserem Landkreis Märkisch-Oderland sind Eiderentensichtungen eine Ausnahmeerscheinung, aber auf einigen der Seen möglich. So wurden im manchen früheren Jahren im Spätherbst sowie zum Ende der Winterzeit und dem zeitigem Frühjahr Tiere auf dem Stienitzsee, dem Straussee sowie dem Schermützelsee gesichtet (HOFFMANN 1993).
Literatur:
ISLÄNDISCHE EIDERDAUEN 2026: https://icelandeider.is/islandisches-eiderdaunen-2/ aufgerufen 29.01.2026.
HAUPT, H. 2001: Eiderente. – In: ABBO: Die Vogelwelt von Brandenburg und Berlin. Natur & Text, Rangsdorf:139-140.
HOFFMANN, J. 1993: Eiderente. – In: HOFFMANN, J. & KOSZINSKI, A.: die Vogelwelt im Landkreis Strausberg. Tastomat, Eggersdorf: S. 71.
WEMBER, V. 2005: Die Namen der Vögel Europas. Aula, Wierbelsheim: S. 54.
Zum Autor:
Jörg Hoffmann beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der heimischen Natur. Besonders interessieren ihn die Artengruppen Vögel, Gefäßpflanzen und Tagfalter der Region sowie der Naturschutz. Er promovierte auf den Gebieten der Landwirtschafts- sowie der Naturwissenschaften. Gut 40 Jahre arbeitete er als Wissenschaftler in den Forschungsinstituten in Müncheberg, Braunschweig und Kleinmachnow. Er publizierte ca. 300 Fachbeiträge in Zeitschriften und Büchern. Eine jüngere Langzeitstudie befasste sich mit den Veränderungen der Biodiversität unserer Landschaften (HOFFMANN, J. 2023: Biodiversität im Zeitvergleich. Strukturelemente und Nutzungen räumlich identischer Ackerbaugebiete 1991-1993 und 2018-2021. Auswirkungen auf die Biodiversität. Berichte aus dem Julius Kühn-Institut 224: 940 S. https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00088315 ).
Datum: 01.02.2026
Abb. 2: Eine männliche Eiderente reckt sich mit leichtem Flügelschlag aus dem Meerwasser vor Hiddensee; 04. Dezember 2025.
© Dr. Jörg Hoffmann
Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Dr. Jörg Hoffmann
