100. Grüne Woche Berlin
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Hundert Jahre Grüne Woche –
noch Hunger auf Zukunft!
Hundert Jahre alt und immer noch nicht müde. Die Grüne Woche hat zum Jubiläum gezeigt, dass sie keine Traditionsveranstaltung mit Staubschicht ist, sondern ein ziemlich anziehender Treffpunkt für alles, was wächst, frisst, verarbeitet wird oder darüber streitet. 350.000 Menschen kamen vorbei, 40.000 mehr als im Jahr davor. Offenbar ist das Interesse an Essen, Herkunft und Zukunft doch größer als gedacht.
Zehn Tage lang wurde auf dem Berliner Messegelände probiert, diskutiert und gestaunt. 1.600 Aussteller aus über 50 Ländern haben aufgetischt, was Felder, Gewächshäuser, Ställe und Start-ups hergeben. Von Bratwurst bis Haferdrink, von regionalem Handwerk bis Hightech-Lagerung mit KI. Mecklenburg-Vorpommern als Partner zeigte dabei, dass man zwischen Ostsee und Seenplatte nicht nur schön Urlaub machen, sondern auch sehr gut produzieren kann.
Natürlich war viel Politik im Haus. Bundespräsident, Bundeskanzler, Ministerinnen und Minister, Ministerpräsidenten, EU-Kommissare – selten hatte man so viele Anzüge zwischen Käsewürfeln und Apfelsaft. Aber erstaunlich oft ging es nicht um Sonntagsreden, sondern um handfeste Fragen: "Wie sichern wir Ernährung in Zeiten von Klimakrise, Wasserstress und globalem Durcheinander? Und wie viel Realität passt eigentlich noch in schöne Schlagworte wie Nachhaltigkeit und Tierwohl?"
Ein paar Antworten wurden geliefert, viele zumindest angerissen. Beim Global Forum for Food and Agriculture diskutierten 2.000 Fachleute über Wasser, Ernten und Verantwortung. Die Agrarminister aus 61 Staaten einigten sich auf eine Abschlusserklärung. Papier ist geduldig, klar. Aber immerhin wurde miteinander geredet – was in diesen Zeiten schon kein kleines Ding ist.
Wer lieber guckt als zuhört, kam trotzdem auf seine Kosten. Die historische Sonderschau zeigte, wie sich Landwirtschaft in hundert Jahren verändert hat. Die Blumenhalle glitzerte im Stil der Goldenen Zwanziger, die Bio-Halle war doppelt so groß wie früher und in der Tierhalle lernten Kinder, dass Milch nicht im Kühlschrank geboren wird. Im young generation hub wurde deutlich: Die nächste Generation denkt Landwirtschaft längst neu – digitaler, nachhaltiger und erstaunlich pragmatisch.
Besonders spannend wurde es dort, wo Zukunft ausprobiert wurde. Bei den Startup-Days ging es um neue Proteine, weniger Verschwendung und bessere Lagerung. Das Sieger-Startup SkoneLabs zeigte, wie KI helfen kann, Obst länger frisch zu halten. Nicht sexy, aber ziemlich sinnvoll. Und genau das war oft der Ton dieser Grünen Woche.
Auch wirtschaftlich lief es rund. Über 1.100 Reisebusse rollten an, pro Kopf wurden im Schnitt 150 Euro dagelassen. Hotels, Restaurants und Läden freuten sich. Über 1.800 Medienschaffende berichteten, Influencer machten das Ganze noch ein bisschen lauter. Wer nicht da war, hat es trotzdem mitbekommen.
Unterm Strich bleibt: Die Grüne Woche ist mit 100 nicht in Rente gegangen. Sie ist Marktplatz, Bühne und Diskussionsraum zugleich. Man kann sie mögen oder kritisch sehen, aber ignorieren lässt sie sich nicht. Und wenn 350.000 Menschen kommen, um über Essen, Landwirtschaft und Zukunft zu reden – dann ist das vielleicht gar kein schlechtes Zeichen – für Berlin und auch für unsere Region!
Die nächste Grüne Woche findet vom 15. bis 24. Januar 2027 statt. Hunger dürfte wieder da sein. In mehr als einer Hinsicht.
Danke Berlin.
Datum: 25.01.2026
Blumenhalle – Babylon Garden
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Brandenburg Tag – Landespolizeiorchester
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Dieser Artikel wurde erstellt durch:
Redaktion MOL Nachrichten
Steffen Herre
Redakteur
